Die Engelfried-Orgel in Gönningen für Hauptwerk 3.xx


Seit der Erstveröffentlichung des Samples-Satzes für Hauptwerk 1 und dem Bericht darüber in Orgelbits sind mittlerweile mehrere Jahre ins Land gegangen. Damals gehörte die Übertragung des Instrumentes von Franz Xaver Engelfried zu den Pionierleistungen von OrganART MEDIA. Sie könnte in Präzision und Ausgewogenheit auch heute noch durchaus bestehen, wären da nicht signifikante Fortschritte bei der Entwicklung der Hauptwerk-Software, die ein komplettes Neu-Sampling angesichts der vielen in der inzwischen gewonnenen Freunde ausgesprochen sinnvoll machten. Dass außerdem aus der Maierschen Schmiede einige Jahre an Erfahrung in Gebrauch der Technik und Ästhetik des Sampelns hinzukamen, fällt ebenfalls positiv ins Gewicht.
So hat OAM das Engelfried-Instrument im Format 48 kHz/24 Bit und mit Sechskanaltechnik polyphon gesampelt und nachbearbeitet. Dass ist eine anerkennenswerte Tat, denn noch immer repräsentiert das Vorbildinstrument der Kirche Peter und Paul in Gönningen/Baden/Württemberg mit seinen 24 klingenden Registern, zwei Manualen und Pedal eines der wenigen weitgehend erhaltenen und in Hauptwerk spielbaren aus der romantischen Bauperiode vor dem Einsetzen der Cavaillé-Collschen Bauperiode, die danach andere klangliche Schwerpunkte setzte.

Natürlich sind die herausstechenden Farbkombinationen des Vorbildes beim Zusammenklingen von 8'-Zungenstimmen in Äquallage wie Klarinette 8' und Trompete 8' sowie die eindrucksvollen anderen Zungenregister vorbildgetreu vorhanden. In dieser Beziehung gilt das über die Version HW 1 Gesagte unverändert. Die aktuelle Programmgeneration (zum Zeitpunkt der Textlegung HW 3.22) bietet wie schon die Vorgänger ab HW 2.xx durch die Intonationsfunktion umfassende Eingriffsmöglichkeiten in die Klangstruktur - etwas, was die Vorgängerausgabe der Engelfried-Orgel nicht besaß. Sie ist - ebenso wie das Laden von Temperaturen - ungehindert zugänglich, so dass man nun beispielsweise das Pedalfundament nach eigenen Vorstellungen (und räumlichen Gegebenheiten) gestalten kann. Nur die ohnehin in ihrem klanglichen Wert zweifelhafte Beschneidung der Nachhallphasen (Release truncation) ist gesperrt, so dass das Instrument nur mit der im Satz enthaltenen räumlichem Umgebung gespielt werden. kann.
Der neue Sample-Satz hat einige innovative Eigenheiten aufzuweisen, die die alte Version auch von Layout und sonstiger Funktionalität her weit hinter sich zurück lässt. Von der optischen Seite her fällt zunächst die gegenüber der nüchternen, standardisierten Bedienoberfläche von HW 1 in fünf Teile gegliederte neue Oberfläche auf. Sie sind über Tab-Felder zu erreichen. Das erste Fenster (Console) zeigt eine Gesamtdarstellung des Spieltisches mit Manualen, Pedal, Registerzügen und enthält sowohl Schaltflächen als auch herausspringende Manubrien und Koppeltritte, alle für Mausbetätigung eingerichtet.
Mit 'Touch' ist das Fenster für den Betrieb mit nur einem Touchscreen bezeichnet; es enthält nur Register, Koppeln und - in der erweiterten Darstellung hier - die 16 Setzer mit Speicher- und Nullsetz-Knopf. Manubrien entfallen hier, so dass reichlich Platz für die Schaltflächen verblieb und diese auch zielsicher zu treffen sind.

Gesamtspieltisch...und sein für einen Touchscreen adaptiertes Layout

In den Teilfenstern für das linke und rechte Registerfeld ist dann genügend Platz, um auch die Manubrien bei der höheren Auflösung von 1280x1024 Pixels fast in Originalgröße unterzubringen - eine Annäherung an einen realen Spieltisch, wie sie selten zu finden und nicht oft zu realisieren ist. Auf einem 19-Zöller ist die Darstellung in Hauptwerk noch eindrucksvoller, als hier im Browser.

Registerfeld links...und rechts

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Unverändert gelieben ist die dosierbare Zuschaltung verschiedener Spielgeräusche wie die Traktur der einzelnen Werke und der Registerbetätigung. Neu vorhanden dagegen die Option, auf das HW-Layout der historischen Orgel mit einem Klick auf den entsprechenden Schalter im fünften, mit 'Controls' bezeichneten Fenster zurück zu gehen. Dann wird keine der Komponenten der erweiterten Fassung mit ihrem größeren Tastaturumfang und Setzern dargestellt. Was sich klanglich aber besonders bemerkbar macht, sind die erweiterten auf Samples bezogenen Funktionen, die ab HW 2.xx zur Verfügung stehen.
OAM hat diesen Satz (wie auch alle anderen) so eingerichtet, dass Modellierungsoptionen voll ausgenutzt werden; das sind fortgeschrittene Formungs-Features wie Mehrfach-Layers und Multi-Attack, d. h. anschlagsabhängige Ausklangphasen für kurze, mittellange und lange Tastendruckgeschwindigkeiten. Wie zu erwarten, stellt der Sample-Satz deshalb gegenüber der Vorgängerversion höhere Ansprüche an die RAM-Belegung. Sie reichen von etwa 1,9 GByte (16 Bit, Kompression ein, nur eine Loop) bis zu 4,1 GByte (24 Bit, Kompression ein, alle Loops).
Wenig hat sich in der räumlichen Abbildung der Orgel mit ihren ca. 3,5 s verändert; es schien allerdings, dass die Differenzierung des Abstands beider Manualwerke noch etwas deutlicher geworden ist. Wer sich über den spezifischen Klang einzelner Register informieren möchte, kann in der Dispositionstabelle auf die Namen klicken, um jeweils eine kurze klangliche Vorführung zu erhalten. Ausführlichere Demo-Clips mit live-gespielten Werken von Mendelssohn, Mozart, Haydn, Lefébure-Wely, Robert Schumann und dem selten zu hörenden Moritz Brosig geben recht genau Auskunft über die klanglichen Kapazitäten der Engelfried-Orgel; sie gehört zu den vorzüglich durchhörbaren im Angebot für Hauptwerk. Ein kleine Anmerkung zum Register-Layout: Vielleicht könnte man die Pedalregister Nr. 10 und 11 (Oktavbass 8' und Posaune 16') optisch etwas deutlicher von den Manualregistern in der gleichen Reihe absetzen.

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