Die Marcussen-Orgel in Moerdijk/Noordbrabant
Die Orgel der St. Stefanus-Kirche im niederländischen Moerdijk/Noordbrabant wurde 1964 von der renommierten dänischen Firma Marcussen und Søn erbaut. Mit ihren 28 klingenden Stimmen ist sie das umfangreichste in HW1 spielbare Instrument.
Die auf zwei CD-ROMs von Ariaan Hoogendijk für HW1 gesampelte Fassung enthält die authentische Ausführung mit drei Manualen und Pedal. An der Disposition dieser "moderneren" Orgel ist zu erkennen, dass hier nicht die Nachbildung einer bestimmten Epoche beabsichtigt, sondern eine vielseitiges Musizier-Instrument geplant war. Das virtuelle Replikat folgt der originalen Werkaufteilung:

Huvudvaerk (Hauptwerk) 8 Register einschl. Dulcian 16' und Trumpet 8'

Rygpositiv (Rückpositiv) 8 Register einschl. 8'-Krummhorn

Brystvaerk (Brustwerk) 5 Register einschl. 8'-Regal

Pedal 7 Stimmen einschl. Basun (Fagott) 16', Trumpet 8' und Skalmeje (Schalmei) 4'.

Dazu gibt es die Koppeln HV - RP, HV - BV, RP - BV, P - HV, P - RP, P - BV; Brustwerk und Rückpositiv sind mit je einem Tremulant versehen.
Zugunsten der Spiel-Ergonomie und Übersichtlichkeit wurde der Bildschirm-Spieltisch von Ariaan Hoogendijk etwas vom Original abweichend ausgelegt - eine Maßnahme, die sich schnell durch Änderung der .organ-Datei erreichen lässt. Auch wer die dänischen Werk- und Registerbezeichnungen durch ihr deutsches Äquivalent ersetzen möchte, kann das durch Textänderung in dieser Datei nachträglich tun.

Mehrere Modifikationen von Jim Pressler erweitern die Marcussen-Orgel mit einem vierten Manual (Solo) und Setzern für freie oder feste Kombinationen. Außerdem können Pfeifen/Registergruppen in unterschiedlichen Werkgehäusen zusammengefasst werden - dies erlaubt es, Schweller oder Tremulanten gegenüber dem Vorbild beliebig wirksam werden zu lassen.
Die zusätzlichen Solo-Register lassen sich vom vorhandenden Bestand an Wave-Dateien "ausborgen" und benötigen deshalb keinen zusätzlichen Speicherplatz. Viele der Presslerschen MP3-Demos wurden auf einer dieser Versionen eingespielt.

Dreimanualige......und viermanualige Setzerversion der Orgel in Hauptwerk

Die virtuelle Basisversion der Marcussen-Orgel ist von Nutzen, um sich mit dem Instrument vertraut zu werden; dank seiner Disposition eignet es sich für verschiedenartiges Repertoire. Neben dem Prinzipalchor mit Oktavstimmen, Aliquoten und den im Rückpositiv bzw. Brustwerk versammelten Gedacktregistern haben die Zungenstimmen - sie fehlten bisher im Angebot der HW1-Orgeln - ihren besonderen klanglichen Reiz. Die Skalmeje 4' (Schalmei) im Pedal ist eine Bauweise mit langem, leicht konischem Becher und trichterförmigem Aufsatz, der zu den ungeradzahligen Teiltönen des Bechers noch geradzahlige Obertöne beisteuert. Unter Einsatz der Zungen und bei geschickter Werk-Kopplung lässt sich fast ein Grand Jeu aufbauen. Die Setzer-Erweiterungen von Jim Pressler dürften schon einige Erfahrungen in der Live-Spielpraxis erfordern, um die angebotenen Hilfen rationell auszunutzen. Zweifellos wird die Orgel damit in einem Maße aufgewertet, das auch dem realen Vorbild nicht schlecht anstünde.
Gut hörbar bietet der Kirchenraum ausgesprochen färbungsarme Diffusion der Rückwürfe; jedenfalls "steht" die Orgel in einem nicht übermäßig halligem Ambiente, das der Pedallage trotz Luftigkeit gute Tiefenlinearität zugesteht und den Registern allgemein eine angenehme Räumlichkeit mit schöner Stereo-Basis zubilligt. Besonders die Ladenaufteilung des Pedals kommt deutlich zur Geltung. Wer es "sakraler" möchte, kann dies durch Hinzusetzen von digitalem Hall durchaus tun; die Mischfähigkeit des Originalraums lässt einen solchen Eingriff durchaus zu.
Eine Orgel derartigen Stimmenumfangs stellt Ansprüche an den RAM-Ausbau: 1,15GByte werden belegt. Wie auch bei anderen Orgeln, dürfte der Tremulant erst in einer nach Hauptwerk 2.1+ übertragenen Fassung so richtig unterstützt werden; in der aktuellen Version 1.22 sind seine Frequenz und Modulationstiefe per .organ-Datei einstellbar.
Wer neu in die Welt der Hauptwerk-Orgeln einsteigen will, dem bietet sich hier ein vielseitiges, klanglich ausgewogenes und zudem preisgünstiges Musizierwerkzeug. Auch als Ausgangsbasis für vielfältige (und frei erhältliche) Modifikationen eignet es sich: Der Appetit kommt bekanntlich auch hier mit zunehmender Praxis, zu der auch wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Spielhilfen gehören. Natürlich kann dieser Sample-Satz auch in HW2.1+ importiert werden; auf die neuartigen Modellierungsmöglichkeiten dieser Software muss man dann allerdings verzichten. Bleibt zu hoffen, dass Ariaan Hoogendijk dieses rundum stimmige Instrument bald portiert.

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