Ein Cembalo-Nachbau nach Mietke aus Tschechien

Kopie eines Cembalos von Michael Mietke aus einer tschechischen Werkstatt

Michael Mietke (1671 bis 1729), Instrumentenbauer am preussischen Hofe, erfreute sich wegen der Qualität seiner Cembali eines ausgezeichneten Rufes, Das belegt schon die Tatsache, dass Johann Sebastian Bach im Jahre 1719 eigens nach Berlin kam, um von ihm ein neues zweimanualiges Instrument für die Köthener Hofkapelle des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen zu erwerben.
Ein anderes einmanualiges Cembalo mit reichen Verzierungen (erbaut wahrscheinlich 1700) steht heute im Charlottenburger Schloss. Es kennzeichnet vielleicht den Stil Mietkes am zutreffendsten: Inspiriert von italienischer Cembalobaukunst, kombiniert mit einem starken Eigencharakter in der Bauform. Generell war das 18. Jh stärker geprägt vom Streben nach einem klangstarken Instrument, wenn man schon die Einschränkung in der dynamischen Modulationsfähigkeit nicht überwinden konnte, schon zu erkennen bei einigen Ausführungen an der Erweiterung mit einem 16'-Register (von denen Mietke zeitlebens nur zwei gebaut hatte).
Was die Geltung mitteldeutscher Cembalobauer zu dieser Zeit anbetrifft, so wurde sie in der Retrospektive oft unterbewertet. Wenn man heute allerdings im Internet unter dem Stichwort 'Mietke/Cembalo' sucht, findet man eine erstaunliche Anzahl von Werkstätten, die Nachbauten von Mietke-Cembalos anbieten. Das von Juri Zurek nach Hauptwerk übertragene zweimanualige Instrument stammt als Kopie nach Mietke aus der Werkstatt von Jan Becicka, Stanislav Hüttl und Petr Sefl, Hradec Králové, wo es 2005 entstand. Das Mietkesche Vorbild wurde wahrscheinlich zwischen den Jahren 1710 bis 1713 gebaut. Die Stimmung entspricht der des Originals mit a=415 Hz bei modifizierter Kirnberger-Temperatur.
Später im 18. Jh. änderte man den Tastaturumfang von 54 auf 59 Noten und erhöhte die damalige Stimmung (wahrscheinlich zwischen a=395 und 400 Hz) auf die heute noch vorhandene von a=410 Hz. Die Bespannung der Kopie besteht nur aus Messingsaiten. Ihr Klang ist bemerkenswert warm, sanft und farbenreich; besonders der Diskant deutlich, aber zurückhaltend in seiner Obertoncharakteristik, mit einem klaren 4'. Das untere Manual hat Besaitung für 8'- und 4'-Register; das obere nur einen 8' mit einschaltbarem Dämpfer als Lautenzug. Beide Manuale lassen sich per Schiebekoppel miteinander verbinden.

Virtueller Gesamtspieltisch

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Beim Hauptwerk-Sample-Set im Format 24 Bit/48 kHz kann man davon ausgehen, dass keine nachträgliche Noise-Reduction zum Einsatz kommen musste, weil Windgeräusche nicht vorhanden waren. Bei einem Cembalo mit seinen äußerst delikaten Einschwingvorgängen ist dies besonders wichtig.
Hier hat man übrigens einen Sampling-Trick angewendet, der zwar zwecks Speicherersparnis bereits öfters für Orgeln diskutiert wurde, sich aber aus verschiedenen Gründen dort nicht empfiehlt. Dagegen ist dies bei einem Instrument mit nur wenigen Registern durchaus sinnvoll: Registerkombinationen werden zusammen aufgezeichnet, um noch ein Quäntchen mehr klanglichen Realismus wegen des Wegfallens jegliche digitaler Synthese in Hauptwerk herauszuholen; in dieser Form sind die Kombinationen 8' (I) + 8' (II), 8' + 4' und Pleno vorhanden. Der Manualumfang beträgt fünf Oktaven vom F (MIDI# 29) bis f (MIDI# 89). Um ihn in Hauptwerk ausnutzen zu können, muss man im entsprechenden Settings-Menü den Tastaturumfang erweitern bzw. entsprechend ändern.
Auch ein Cembalo hat in Hauptwerk ein Art Spieltisch; es genügt allerdings ein einziges Fenster. Die kleinen Knöpfe oberhalb der Manuale sind im Original die Registerschalter; da sie für eine Betätigung zu klein sind, gibt es beim virtuellen Instrument dafür großzügige Schaltflächen.
Bei der Wiedergabe des Sample-Satzes macht sich - besonders wenn man einen guten Kopfhörer verwendet - das 24-Bit-Format durch vorzügliche Transparenz bemerkbar.

Der Klang des Instrumentes unterscheidet sich insofern von dem der Demo-Clips, als dass man es im 24-Bit-Format spielen kann, während die Dateien datenreduziert angeboten werden. Dennoch sind schon diese Beispiele eindrucksvoll in ihrem hohen Grad an Perfektion der Virtualität; sie umfassen Werke von Bach und Händel - ein Repertoire, das dem Charakter des Cembalos vielleicht näher kommt als französische Literatur. Glücklicherweise hat das Instrument etwas Raum um sich, der die Verbindung zwischen den Linien schafft.
Beim Mietke-Nachbau wurde ein velocity-abhängiger Anschlag verwirklicht, und dies nicht etwa in dynamischer Hinsicht, sondern in Bezug auf den Einsatz des Tones als Folge der Kielbewegung bei kombinierten Registern. So gibt es eine Velocity-Schwelle von 90 (innerhalb einer Skala von 0 bis 127). Bei ihrem Überschreiten wird die 'energische' Ansprache aktiviert; hier erklingen z. B. zwei Saiten (für 8' + 8' oder 8' + 4') miteinander ohne Verzögerung.
Unterhalb des Velocity-Wertes 90 liegt als 'lyrische' Ansprache zwischen beiden Einsätzen eine Verzögerung von 30 ms. Da dieses Verhalten auch bei voraufgenommenen Kombinationen (und gerade dort) realistisch vorhanden sein soll, gibt es 'lyrische' und 'energische' Kombinationen. Voraussetzung für diese Funktion ist natürlich die Existenz von Manualen mit Velocity-Fähhigkeit. Jiri Zurek weist noch auf das Phänomen der Inter-Instrument-Resonanz hin, die auch hier wirksam ist. Sie wurde auf den Orgelbits-Seiten mit der Besprechung 'Das erste Clavichord' ausführlich erklärt. Alle Maßnahmen zusammengenommen tragen dazu bei, dass jede auch noch so geringe technisch bedingte Künstlichkeit bei der Hauptwerk-Übertragung fehlt.
Nicht allein die Velocityabhängigkeit äußert sich in der Speicherbelegung; wie bei allen Sample-Sets im 24-Bit-Format, die mehrere Attack-(Ansprache-) und Release-(Ausklang-)Samples aufweisen, wird auch dafür eine großzügige Speicherkapazität vorausgesetzt; hier sind es (bei 16 Bit Auflösung, alle Samples in Betrieb, Kompression ein) etwa 1,8 GByte. Wenn man den Satz erwerben möchte, kann man den Satz herunterladen, dies dauert bei DSL 2000 etwa drei Stunden. Der Absturzsicherheit wegen ist ein Download-Manager angebracht. Nach 30 Tagen Testgebrauch wird eine moderate Summe für den Cembalo-Satz erwartet.
Sei noch darauf hingewiesen, dass man von der Index-Seite über Links zu zwei detaillierten Erklärungen (als doc-Datei) gelangt: 'How the harpsichord works' und 'The history of harpsichord'.

Eine erweiterte Fassung des Mietke-Cembalos
Um die Nachfrage nach einem Instrument zu befriedigen, dass über 16'- Register und eine zusätzliche 2'-Lage verfügt, hat Uwe Horche PC und Musik eine erweiterte, allerdings nunmehr aufpreispflichtige Version exklusiv im Angebot. Ihre Spezifikationen finden sich unter "Cembalo goes Hauptwerk".

Spieltisch der Mietke-Kopie für Hauptwerk in der erweiterten Version

Anlass war die Anregung eines Professors aus Ljuljana, der sein Pedal-Cembalo midifizieren lassen hatte. Hier waren die Töne C bis Fis und Gis wegen des fehlenden Saiten-Umfangs nicht spielbar und wurden durch Samples ergänzt. Im Ober- wie im Untermanual ist ein durchgehendes 16'-Pedal vorhanden; das Untermanual weist außerdem eine 2'-Stimme auf. Alle anderen Register blieben entsprechend dem Original erhalten. Die fehlenden Samples hat Jiri Zurek (Sonus Paradisi) ergänzt und eine neue Definitionsdatei geschaffen. Damit lässt sich nun auch Literatur, die ein solches Pedalcembalo voraussetzt, erschließen. Die erweiterte Version ist auf a=440Hz gestimmt. Wie man hört, werden im Rahmen eines Studienprojektes in Slowenien über 15 neue Temperaturen verfügbar sein - eine vorzügliche Gelegenheit, sie an diesem Instrument auszuprobieren.

Auf dem erweiterten virtuellen Spieltisch (zwar nicht unbedingt vorbildgemäß, aber hauptwerk-typisch) sind nun links zu den ursprünglichen Registern die 16'- und die 2'-Lage für das Untermanual hinzugekommen. In der Mitte ist die Pedalergänzung (als 16' und 8') mit den Noten C bis Fis und Gis angeordnet; sie mag für einige Pedalcembali willkommen sein. Das Obermanual weist ebenfalls einen durchgehenden 16' auf. Die klangliche Anpassung der "Neuzugänge" ist so gut gelungen, dass man keine störenden Unterschiede feststellen kann. Damit erweist sich die erweiterte Version als nützliche Aufwertung - ganz abgesehen davon, dass die gesamte Anordnung auch auf einer Orgel zu betreiben wäre, wenn man auf den cembalo-typischen Anschlag verzichtet.

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