Ein Positiv für Hauptwerk
Fast noch brandneu war die 2003 in der Göttinger Werkstatt von Dieter Ott für einen privaten Besitzer gebaute Heimorgel mit mechanischer Traktur, die Christian Datzko für Hauptwerk gesampelt hat. Fünf Register weist das einmanualige Instrumentauf: Gedackt 8', Rohrflöte 4', Prinzipal 2', Quinte 1 1/3' und Oktave 1'. Das Pedal ist angehängt, d. h. es hat keine eigenen Pfeifen; seine Tasten sind lediglich mechanisch an die Manualtasten gekoppelt. Seine unterste Note stimmt daher mit der des Manuals überein. Der Tonumfang ist 4 1/2 Oktaven (55 Töne), der Chorton liegt bei a=440Hz.
Erfreulich, dass die Orgel kostenlos heruntergeladen werden kann, wenn man sich auch für solche Absicht mit einem Download-Client wie z. B. GetRight ausstatten sollte, um unfreiwillige Abbrüche aufzufangen. Etwas Sicherheit bietet hier die Aufteilung in insgesamt sieben Pakete. Immerhin kommen im entpackten Zustand 313MByte an Samples zusammen, da jede Pfeife einzeln und meist mit mehr als 1MByte Umfang gesampelt wurde. Auf seiner Site bietet Christian Datzko auch eine CD-Rom zu einem günstigen Preis an - eine Option, die stundenlanger Ladetätigkeit mit einem analogem Modem vorzuziehen sein dürfte.
Um eines handelt es sich hier mit Gewissheit nicht: um den oft zitierten geschenkten Gaul, dem man nicht ins Maul schauen solle. Das Positiv überzeugt mit seinen Qualitäten und ist sorgfältig in das HW1-Format übertragen worden; Einzelheiten dafür sind auf den Datzko-Webseiten zu finden. Fünf Stimmen rufen nach überlegter Registrierung, wenn auch der angemessen spuckende Gedackt 8' ausgezeichnet mit jeder beliebigen Kombination zusammen klingt. Wer gern ein etwas milderes Plenum hätte, erreicht dies schnell durch eine andere Pegelangabe in der .organ-Datei. Dem Prinzipal kommt der nachhall- (und stehwellen-)arme Raum durch vorzügliche Tiefenlienarität entgegen, ohne dass man eine künstliche Linearisierung feststellen könnte.
An Literatur für ein solches Instrument mangelt es wahrhaftig nicht; neben Cembalomusik aus dem 17./18. Jahrhundert gibt es auch viele andere manualiter spielbare Werke alter Meister. Wolfgang Adelung zählt sogar den größten Teil der Bachschen Klaviermusik dazu.
Wem die Akustik zu trocken ist, der mag - gleich ob per Hardware oder mit einem guten Hall-Plug-In - noch etwas Räumlichkeit hinzumischen. Dies jedoch im Maßen, um die stimmigen klanglichen Proportionen nicht zu verfälschen.

Für erfahrene Hauptwer1k-User ist die Ott-Orgel eine willkommene Ergänzung, während der Einsteiger mit geringen Kosten zu einem Instrument gelangt, mit dem sich erste Schritte in HW machen lassen. Dies umso mehr, weil die üblicherweise vorhandenen 512MByte RAM (und soviel Speicherkapazität sollte es insgesamt schon sein) dafür ausreichen.
Nützliche Details am Rande: Christian Datzko hat auf seinen Webseiten einen speziellen Link geschaltet, von dem sich eine Schrifttype (Font) herunterladen lässt, die der originalen Registerbeschriftung ähnlich ist. Sie heisst ClerestorySSK und dürfte sich auch für die Beschilderung manch anderer Orgel eignen. Wer eine Jewel-Box für die Sample-CD-Rom beschriften möchte, findet komplette Vorlagen dafür auf den gleichen Webseiten.

Einige Klangbeispiele hat auch bereits der virtuelle Organist Jim Pressler ins Netz gestellt; sie demonstrieren gleichzeitig, wie sich die Orgel mit einem angenehmen Ambiente versehen lässt.
Übrigens ist die Ott-Orgel nicht das einzige Instrument, für das man (außer Porto oder Online-Gebühren) Geld ausgeben muss: Jiri Zurek hat ein Miniset der Orgel von Zlata Koruna zum Download im Programm, und Martin Dyde, der Entwickler von Hauptwerk, liefert auf der CD-ROM mit HW 2.10 alle Samples der St.Anne-Orgel - ein Instrument, für das es schon eine Reihe von Erweiterungen und Ableitungen gibt, die von Usern erstellt wurden.

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