Die Truhenorgel von Tzschökel Orgelbau
Mit dem frei herunter zu ladenden Sample-Satz der Truhenorgel für Hauptwerk 4 von Tzöschkel Orgelbau macht das Team von Prospectum um Gernot Wurst den Hauptwerk-Freunden ein Geschenk, um es ihnen wie Santa Claus sozusagen am Weihnachtsabend 2012 in die Strümpfe zu stopfen - daher der Name Stocking Stuffer Organ. Das Original des Instruments steht in Sankt Maria, Nordheim.
Wie die Orgelbaufirma herausstellt, werden für den Bau ausgesuchte Hölzer des Schwäbischen Waldes verwendet, dies gilt sowohl für Gehäuseteile als auch für Pfeifen. Die Orgel hat die vier Register 8' (gedackt), Rohrflöte 4', Prinzipal 2' und Quinte 1 1/3'. Einige der 8'-Pfeifen mit ihren Spunden sind hinten am Truhengehäuse zu sehen.
Das Samplingprojekt hat das Originalformat 24 Bit /96 kHz; letztere hat man im Satz auf 48 kHz heruntergerechnet; es entstand als Test für - wie es heisst - neuartige Bearbeitungsalgorithmen. Der Tonumfang ist C bis g''' (56 Tasten). Trotz der geringen Halligkeit gibt es immerhin zwei Mulitrelease-Samples je Pfeife. Die Bediengeräusche von Tasten und Registern hat man mit gesampelt.
Einige klangliche Variationsbreite ist trotz der geringen Registeranzahl gegeben, weil alle von ihnemit Ausnahme des Prinzipal 2'ab MIDI# 56 eine Teilung aufweisen.

Der im Bass-und Diskantbereich durchlaufenden Prinzipal soll - so die Firma Tzschöke - trotz seiner 2'-Lage eine gewisse klangliche Grundstruktur bieten. Die virtuelle Bedienoberfläche hat man entsprechend dem Vorbild einfach gehalten. Das Manual ist noch einmal vergrößert abgebildet und hat bewegliche Tasten; sie helfen bei der Anpassung des MIDI-Kanals an das Manual. Weitere Fenster sind zur Bedienung nicht notwendig.

Der virtuelle Spieltisch komplett

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Selbstverständlich kommen die zusätzlichen Spielhilfen des Masterbereiches in Hauptwerk auch hier zur Anwendung und werten die virtuelle Truhenorgel auf; dazu gehören beispielsweise die am unteren Bildrand erkennbaren Setzerkombinationen und Stepper. Nicht zu sehen sind die vielen weiteren im Programm vorhandenen Anpassungsmöglichkeiten an Stimmung, Temperierung oder Intonation, die man auch hier einsetzen kann.
Wie Prospectum schon seit einiger Zeit hat verlauten lassen, arbeitet man an einem Mehrebenen-System mit der Bezeichnung MLP (Multi Layer Processing). Es soll - wie es heisst - zur wissensbasierten Bearbeitung von Samples genutzt werden und höhere Qualität bei den unumgänglichen Nachbearbeitungsschritten erlauben. Dazu gehören in erster Linie die Befreiung von Störgeräuschen in den einzelnen Samples (Denoising), um die Textur des aufgezeichneten Klanges intakt zu erhalten. Daneben gehört auch Re-Voicing dazu - ein Verfahren, mit dem man etwas aus dem Rahmen fallende Pfeifen aus einem Register digital restaurieren und damit die Kontinuität über den gesamten Tonumfang wahren kann. Sonst wäre dies nur durch Re-Pitching (digitale Tonhöhenveränderung) aus anderen Pfeifen zu erreichen. Die dritte MLP-Komponente betrifft das Tremulantenmodell mit einem zugehörigen Sample je Pfeife.
Wie im Text auf der Website erwähnt, erfolgte das Sampling der Truhenorgel im Rahmen der MLP-Entwicklung. Man darf daher wohl aus der Klangqualität des Sample-Satzes auf die Fortschritte in der Samplebearbeitung schließen. Und die sind ganz ohne Zweifel deutlich hörbar. Die Transparenz und Unmittelbarkeit jedes einzelnen Tons überzeugen schon nach recht kurzer Zeit des Spielens, und daran ist nicht allein die Auflösung von 24 Bit beteiligt.
Der gefällige Über-Alles-Klang des virtuellen Tzökeltschen Instruments dürfte auch von der nicht zu starken und daher unaufdringlich-klaren Räumlichkeit bestimmt werden, in die man die Orgel hineingestellt hat. Mit einem Umfang von etwas 600 MByte stellt der Satz keine hohen Ansprüche an das Rechnersystem. So dürfte er sich zusammen mit einem Laptop vorzüglich für Continuo-Zwecke anbieten, zumal Tonhöhenanpassung an Ensembles keine Problem darstellt.
Insgesamt eignet sich der Samplesatz so recht für Hauptwerk-Interessenten, die sich ohne großen Aufwand ein Testsystem aus der HW-Demoversion und dem trotz der wenigen Register klanglich mehr als befriedigenden Instrument zusammenstellen möchten. Derartige Gelegenheiten gibt es in der Landschaft der virtuellen Orgeln nicht oft.

Es dürfte spannend werden, ob die weiteren bereits angekündigten Veröffentlichungen von Prospectum diesen Standard dann ebenfalls aufweisen.

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