Orgeln aus Tschechien(II)

Die Klosterkirche von Zlata Koruna beherbergt eine gut erhaltene barocke Orgel, gebaut 1698/99 von Abraham Starck z Lokte, dem Gründer der sog. Loket-Schule. Im Rahmen des Projektes Sonus Paradisi hat sich Jiri Zurek des Instrumentes angenommen und es mit Sorgfalt gesampelt, s. auch "Orgeln aus Tschechien (I)". Zusammen mit dem Sample-Set der Orgel von Smecno hat der HW-Nutzer mittlerweile drei tschechische Orgeln zur Auswahl.
Natürlich bleibt ein solches Instrument selten im Ursprungszustand. Bei einem frühen Umbau wurden die Registerzüge des Rückpositivs in die Manubrienfelder rechts und links der Manuale versetzt. Trotz einer Anzahl mehr oder weniger geglückter weiterer Eingriffe ist der originale Pfeifenbestand bis in unsere Zeit vorhanden, so dass viel Epochenfremdes rückgängig gemacht werden konnte.
Das Instrument hat zwei auf Hauptwerk und Rückpositiv wirkende Manuale, Pedal, 20 Register und eine Koppel RP/HW. Die kurze Oktave in beiden Manualen und dem Pedal (Nutzung der Halbtontasten fis/gis in der jeweils unteren Oktave als c/d bzw. C/D) blieben ebenfalls erhalten. Die Mixtur 5-fach im Hauptwerk wurde als typisch "böhmische" Farbe mit einer Terz bestückt; zusammen mit den anderen Teiltönen gibt sie der Mixtur einen hell timbrierten Schwerpunkt und Durchsetzungsvermögen. Da das Sesquialter 2-fach im RP Prinzipalmensurierung und somit bereits einen deutlichen Terz-Teilton hat, konnte eine separate Terz 1 3/5' entfallen. Sesquialter und Octav 2' ergeben übrigens ein vollwertiges RP-Soloregister für die höhere Lage.

Der Ursprungszustand der Orgel ist in einem der Sample-Sätze für HW1 auf der CD-ROM enthalten. Dem Nutzer wird jedoch noch mehr geboten: Wie bei anderen Instrumenten für HW auch, genügen einige zusätzliche Samples, um die kurzen Oktaven auf den üblichen "echten" Manualumfang von fünf Oktaven zu verlängern und das Pedal ebenfalls in der untersten Lage zu "chromatisieren". Die neuen, beim Original nicht vorhandenen "Pfeifen" lassen sich aus den Nachbartönen mit einer Qualität ableiten, die ihre Herkunft sicher nicht durch das Ohr offenbart. Aus diesem Grunde sind ge-pitchte Samples durch den Zusatz Re gekennzeichnet; wer's authentisch mag, kann sie stummschalten. Auch diese Extended Version ist auf der HW1-CD vorhanden; bei ihr wurden zusätzlich einige Nebengeräusche von Ventilen und Traktur reduziert.

Ursprungsversion der Orgel... ...und neu gestaltete Registeraufteilung
 

Der virtuelle Spieltisch einer solchen erweiterten Orgel ist durch einige Zeilen Textänderung bei HW1 in der organ.-Datei einzurichten. Da das Vorbildinstrument keine Zuordnung der Register zu den Werken enthält, lässt sich dies ebenfalls in der organ.-Datei nachholen. Gleichzeitig kann man die Shortcuts für PC-Keyboard- bzw. Keypad-Betätigung so verändern, das einigermaßen logischer Zusammenhang mit den Tastennamen entsteht. Eine so von Orgelbits modifizierter Spieltisch ist in der rechten Abbildung dargestellt.
Wie sich an der Gesamtabbildung ganz oben erkennen lässt, sind die Pedaltürme recht weit voneinander entfernt, wobei die Pfeifen C, D, E, Fis, Gis, Ais im rechten Turm stehen. Dies mag der Grund sein, dass die Durchhörbarkeit der Pedalregister trotz des kräftigen Nachhalls der Klosterkirche (sie ist die drittgrößte im Lande) nicht leidet. Wie sich glücklicherweise in den meisten Sample-Sets für HW durchzusetzen scheint, wurde das Kirchenambiente in den Gesamtklang mit einbezogen; neben der instrumenteneigenen klanglichen Differenzierung zwischen Hauptwerk und Rückpositiv kommt auch der Unterschied in der Räumlichkeit, sprich im Hallanteil, besonders im Kopfhörer gut zur Geltung. Allein das Violon 16' im Pedal zeigt mit den bei jeder Note unterschiedlichen, langsam einschwingenden Vorläufertönen seine Persönlichkeit; sie wird durch die Wechselwirkung mit dem Raum noch akzentuiert.
Demo-Clips - alle in HW1 - finden sich auf den Links der Sonus-Paradisi-Hauptseite. Eine Fundgrube mit Klangsbeispielen von virtuellen Orgeln daneben ist die Webseite Virtually Baroque von James Pressler.
Wer Vorbehalte wegen der Zahlungsweise hat, sollte sich die Hinweise auf den teilweise deutschsprachigen Seiten von Sonus Paradisi ansehen.

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